Verfasst von: eranger1 | 15. April 2010

Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.

Zur Bedeutung des Begriffes LESEN

Lesen ist in unserer Gesellschaft neben Schreiben und Rechnen eine wichtige Kulturtechnik. Wenn wir heute das Wort LESEN deuten, so denken wir in erster Linie an das Aufnehmen und Verstehen von schriftlich festgehaltenen Gedanken. Diese Wortbedeutung von Lesen im engeren Sinne entstand aber erst durch die Erfindung der Buchstabenschrift. Gedanken, die bis dato ausschließlich mündlich tradiert wurden, konnten nun niedergeschrieben und auch nicht anwesenden Menschen zugänglich gemacht werden.

Das Griechische ana-legein bedeutete zunächst wie das Lateinische legere „auflesen“, „ sammeln“, „aufsammeln“, dann auch „einer Spur folgen“ und daraus entwickelte sich schließlich die Bedeutung „den Schriftzeichen folgen“, „lesen“.

Im ursprünglichen Sinn hat Lesen immer mit Auslese zu tun. Wir wählen aus! Ob wir nun vom Boden aufsammeln, also auflesen; nach Qualitätsmerkmalen suchen, auslesen; ob wir etwas genau unter die Lupe nehmen, es handverlesen, oder als hochwertig einstufen, als erlesen betrachten, immer treffen wir eine Auswahl. Welche Information ist jetzt im Moment für mich wichtig? Worauf muss oder will ich mein Augenmerk legen?

In unserem Projekt wollen wir  nicht nur den Schriftzeichen folgen und diese lesen, sondern auch bis zu den griechischen Wurzeln zurückkehren und Spuren verfolgen, Spuren auflesen, sodass wir mit einer Auslese zurückkehren und aus dieser auswählen, also Zeichen setzen, die wiederum von anderen neu gelesen werden können, ja neu gedeutet werden müssen.

So wollen wir der Natur auf der Spur sein, erkennen und auflesen, was sie jahreszeitlich vorschreibt, um dann den gefundenen Schatz in einen neuen Kontext zu stellen. Ob dazu der Wortschatz verwendet wird, um Texte zu bauen, ob Fundstücke oder Materialien der Natur zu Experimenten herausfordern, bleibt offen.

Durch die Vergänglichkeit der Objekte, die sich durch die verwendeten Naturmaterialien ergeben, nähern wir uns wieder der Flüchtigkeit der mündlichen Überlieferung an, die nur durch das Erzählen und Wiedererzählen dem Vergessen entrinnen kann. Allerdings können wir durch das Mittel der Schrift, der Fotografie, des Films, der akustischen Aufzeichnung ein Zeichen setzen, das über den Augenblick hinausweist.

In diesem umfassenden Sinn wollen wir lesen und aufzeichnen, die Rollen von Lesenden und Erschaffenden einnehmen. Sowohl LeserInnen als auch AutorInnen können Gedanken hervorheben oder sie verwerfen; sie können individuelle Sichtweisen und Standpunkte kreieren, mit ihren Denkmöglichkeiten experimentieren und sich alle Informationen nach eigenen Motiven zunutze machen.

TEXT | Sieglinde JUG, Astrid WAGNER | FOTO | Erich ANGERMANN

Bookmark       and Share


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: